Das erste Unternehmen: Das sind die größten Fehler!

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Der Traum vom eigenen Unternehmen ist bei vielen Menschen lebendig. Doch ist der Schritt gewagt, kommt schnell das böse Erwachen. Denn obwohl Idee, Konzept und Nachfrage detailliert ausgearbeitet und vorhanden sind, fehlen vielen Gründern wichtige persönliche Eigenschaften, wie aktuelle Studien belegen. Doch was müssen Gründer mitbringen, wollen sie gerade die ersten Jahre überstehen?

Gescheiterter Unternehmer hält sich den Kopf auf Schreibtisch

Es muss nicht immer finanzielle Gründe haben, warum es mit dem eigenen Unternehmen nicht klappt. Bildquelle: dotshock – 245812321 / Shutterstock.com

Was brauche ich für persönliche Eigenschaften, möchte ich als Unternehmer erfolgreich sein? Wer sich diese Frage stellt, ist gewiss nicht alleine. Denn neben Finanzierung und Beratern mit nachweislicher Expertise in allen wichtigen Fragen rund um die Themen Steuern und Finanzen braucht es auch einige persönliche Eigenschaften, um sich auf dem Markt durchzusetzen und durchzuhalten.

Gerade beim kaufmännischen Know-how scheitert es allerdings oft, insbesondere dann, wenn Menschen aus der Arbeitslosigkeit heraus gründen. Dies belegen Zahlen der IHK. Doch es gibt noch viele weitere Aspekte, an die meist nicht gedacht wird, die aber gerade in den ersten Gründerjahren von enormer Bedeutung sein können.

Aufgeschlossenheit gegenüber fremden Personen, Kommunikationsvermögen, die Fähigkeit zur Selbstmotivation und auch autodidaktische Eigenschaften sollten Unternehmer mitbringen. Denn wenn Vorgesetzte fehlen, Aufgaben wie das Schreiben von Rechnungen noch eigenständig erledigt werden müssen, Termine selbständig geplant und Arbeiten fristgerecht erledigt werden wollen, stößt manch einer recht schnell an seine persönlichen Grenzen.

Statistik über Gründerdefizite

Fehlende kaufmännische Kenntnisse und unzureichende Erfahrung – dies sind zentrale Gründe, warum viele Jungunternehmer nicht einmal die ersten Gründerjahre überstehen. Bildquelle: bubolz-bartsch.de

Diese Fragen sollten sich Gründer stellen

Um nun aber herauszufinden, ob man selbst tatsächlich die notwendigen Fähigkeiten und persönlichen Eigenschaften mitbringt, um ein erfolgreicher Unternehmer zu werden, ist zum einen Ehrlichkeit gefragt, zum anderen braucht es die richtigen Fragen. Die Industrie- und Handelskammer hat zu diesem Zweck einen eigenen Fragenkatalog entwickelt, mit denen man zumindest eine erste Antwort auf die Frage erhalten kann, ob man sich selbst als Unternehmertyp bezeichnen kann oder nicht.

  • Besitzen Sie Führungserfahrung? Würden Sie sagen, Sie besitzen die Fähigkeit, andere zu motivieren? Mussten Sie bereits andere Menschen führen, organisieren und anleiten?
  • Welche Ausbildung haben Sie genossen? Wie fundiert sind Ihre kaufmännischen bzw. betriebswirtschaftlichen Kenntnisse?
  • Haben Sie bereits Erfahrungen im Verkauf gemacht? Würden Sie sich als einen geschickten Verkäufer bezeichnen? Bringt Ihnen diese Tätigkeit überhaupt Freude oder bereitet es Ihnen Unbehagen, anderen Menschen etwas verkaufen zu wollen?
  • Können Sie es nicht nur finanziell, sondern auch mental verkraften, über kein geregeltes Einkommen zu verfügen? Sind Ihnen etwaige Konsequenzen bewusst, zu denen beispielsweise Liquiditätsengpässe und die Ungewissheit in der Zukunftsplanung gehören können?
  • Sind Sie physisch gesund und geistig fit? Haben Sie bedacht, dass Sie womöglich weit über eine 40-Stunden-Woche hinaus arbeiten müssen? Können Sie, kann Ihr Körper diese Anstrengung verkraften? Sind Sie dazu überhaupt bereit?
  • Würden Sie sich als besonders stressanfällig einstufen? Sind Sie Stress gewohnt? Können Sie in stressigen Situationen trotzdem einen kühlen Kopf bewahren und weiterhin leistungsfähig sein?
  • Wie steht es um Ihre soziale Situation? Haben Sie Familie? Werden Sie von dieser Unterstützung erhalten? Wie alt sind Ihre Kinder? Ist Ihr Lebenspartner auch arbeitstätig und gibt es in Ihrer Familie noch weitere Einnahmequellen? Können Sie Hilfe von Freunden und Verwandten erwarten?
  • Wie reagieren Sie üblicherweise auf Problemsituationen? Sind die eher lösungsorientiert oder geraten Sie schnell in Frustration?
  • Können Sie Eigenmotivation aufbringen, auch wenn Sie nicht durch einen Arbeitsvertrag oder Vorgesetzten motiviert werden? Sind Sie imstande, eigene Ziele zu entwickeln und zielstrebig daraufhin zu arbeiten?
  • Können Sie strukturiert arbeiten? Sind Sie eher chaotisch oder gut organisiert?
  • Wie wollen Sie Ihr Unternehmen aufbauen? Besitzen Sie ausreichend Eigenkapital oder müssen Sie Kapitalgeber recherchieren? Sind Sie überhaupt bereit, ein finanzielles Risiko einzugehen oder sich gar zu verschulden?

Machen Sie bei der Beantwortung dieser Fragen aber nicht den typischen Fehler, sich nur auf die eigene Meinung zu verlassen. Denn häufig schätzen andere – ob nun Verwandte oder nahe Freunde – die eigenen Stärken, aber auch Schwächen anders ein als man selbst. Deswegen ist es ratsam, die obigen Fragen gemeinsam mit ein bis zwei Personen zu beantworten, von denen Sie sagen würden, dass diese Sie gut kennen.

Die IHK hat zudem noch eine weitere Checkliste online bereitgestellt, die dabei helfen kann, den Weg ins eigene Unternehmen organisiert und strukturiert zu beschreiten.

Faktoren Selbsteinschätzung und Planung: Fehleinschätzungen können Scheitern bedeuten

Es liegt gewissermaßen in der Natur jeder Unternehmensgründung, dass einige Aspekte, welche die Geschäftstätigkeit auch direkt betreffen können, auf Kalkulationen und (Selbstein-)Schätzungen beruhen. Natürlich sollten Einschätzungen zum Markt immer auf recherchierten und analysierten Zahlen, auf Statistiken und Ist-Werten beruhen, trotzdem kann es gerade bei der Informationsbeschaffung und -sammlung über die eigene Person zu Fehlern und Fehlmeinungen kommen, woraus wiederum subjektive Fehleinschätzungen zur Unternehmenszukunft resultieren können.

Wird dies mit einer hohen Arbeitsbelastung und vielleicht auch noch fehlendem Unternehmer- oder Fachwissen kombiniert, ist das Ende des neu gegründeten Unternehmens schnell besiegelt. Auch deswegen sollten es sich Gründer aktiv zur Aufgabe machen, eigene Fehleinschätzungen möglichst zu minimieren.

Um dies gewährleisten zu können, ist es stets ratsam, anderen das Bild von sich selbst zu präsentieren und den eigenen Geschäftsplan, den Businessplan Fachleuten und dem persönlichen Umfeld vorzustellen. Wichtig ist hierbei vor allem, dass die Präsentation von möglichst vielen Menschen mit unterschiedlichem Background gehört wird. Dies garantiert verschiedenartiges Feedback, breite Kritik und somit eine fast vollständige Aufdeckung aller etwaigen Probleme, die eventuell entstehen können und an die man selbst gar nicht dachte.

Bedenken Sie, dass man als Selbständiger zwar alle Entscheidungen selbst treffen will und muss sowie ständig arbeitet, dass erfolgreiche Unternehmer sich aber stets der eigenen Unzulänglichkeiten bewusst sind und permanent versuchen, eigene Unzulänglichkeiten durch Dritte auszugleichen.

Gründer stellt sich Fachleuten und Freunden vor.

Wo liegen meine Stärken und Schwächen? Besitze ich die vermeintlichen Eigenschaften überhaupt, die es als Unternehmer braucht? Fachpersonal und Freunde können bei den Antworten helfen. Bildquelle: SFIO CRACHO – 530013196 / Shutterstock.com

Dazu braucht es Menschen mit fachlichem Hintergrund, die eigene Kalkulationen und Einschätzungen – ob nun zum Markt oder zu den eigenen Stärken und Schwächen – auf ihre Plausibilität prüfen können.

Unternehmerischer Erfolg und das persönliche Umfeld

Es ist in Teilen bereits formuliert worden, dass für den beruflichen Erfolg als Unternehmer auch das soziale Umfeld von Bedeutung ist. Gründer, die keinen Rückhalt bei Mann oder Frau verspüren, die ein schlechtes Gewissen haben müssen, weil sie keine Zeit mehr für ihre heranwachsenden Kinder haben, oder allmählich ihren gesamten Freundeskreis verlieren, werden nicht glücklich und somit in der Regel auch nicht erfolgreich sein.

Gerade deswegen ist es ratsam, mit seinen engsten Verwandten das Gespräch zu suchen und auch mit sich selbst zu klären, ob der Schritt in die Selbständigkeit sozial realisierbar und verantwortlich ist.

Einmal abgesehen von der sozialen Komponente gibt es aber oft auch finanzielle Hürden. Sind bei Paaren mit Kindern beispielsweise beide Elternteile berufstätig und können die Kinder noch nicht alleine zu Hause bleiben, gibt es Möglichkeiten, Kosten für Kinderbetreuungen steuerlich geltend zu machen. Dabei gilt es, das Folgende zu berücksichtigen:

  • Kinderbetreuungskosten sind als Sonderausgaben in der Einkommensteuererklärung anzusetzen, wenn
    • das Kind bzw. die Kinder das 14. Lebensjahr noch nicht vollendet haben,
    • und zum Haushalt des Steuerpflichtigen gehören.
  • Es ist irrelevant, ob die Kosten für einen Kindergarten, den Hort oder sogar eine Tagesmutter anfallen.
  • Allerdings können Kosten für Sachleistungen, also zum Beispiel für den Kauf von Lebensmitteln für das Kind während der Abwesenheit, nicht abgezogen werden.
  • Unterrichtskosten, Kosten für sportliche und andere Freizeitbetätigungen können ebenfalls nicht geltend gemacht werden.
  • Es lassen sich auch Sachleistungskosten für die Betreuungsperson abziehen, dies gilt beispielsweise für Fahrtkosten der Betreuungsperson, um eine Vor-Ort-Betreuung zu ermöglichen. (Aber nicht für Fahrtkosten, die Eltern entstehen, um das Kind zur Betreuungseinrichtung zu fahren.)
  • Bei Kinderbetreuung durch Angehörige ist Vorsicht zu genießen, weil das Finanzamt in solchen Fällen oft mit fehlender Fremdüblichkeit argumentiert. Daher sollte in derlei Fällen
    • ein schriftlicher Vertrag geschlossen werden und
    • Zahlungen sollten immer per Überweisung und nicht in bar erfolgen.
    • Zudem sollten Sie beachten, dass nur zwei Drittel der Aufwendungen angesetzt werden und höchstens 4.000 Euro pro Jahr und Kind als Sonderausgaben anerkannt werden.

Bei weiteren steuerrechtlichen Fragen stehen wir Ihnen selbstverständlich zur Verfügung. Nehmen Sie gerne zu unserer Steuerberatung oder Existenzgründungsberatung Kontakt auf.

Weil die Gesundheit immer vorgeht

Einer der wohl am häufigsten unterschätzten Aspekte beim Schritt in die eigene Unternehmensgründung ist die Gesundheit. Denn wie stressig das Leben als Selbständiger manchmal sein kann, wissen die meisten erst, wenn es zu spät ist. Bedenkt man vorab allerdings das Risiko, die Verantwortung – für sich selbst, die Familie und vielleicht sogar Angestellte und Kunden –, die Arbeitszeiten und vieles andere, mag dem ein oder anderen doch recht schnell angst und bange werden.

Statistisch betrachtet sind psychische Erkrankungen immer häufiger ein Grund für eine Erwerbsunfähigkeit. Allein 2011 wurden gut 59 Mio. Arbeitsunfähigkeitstage gezählt, die sich direkt auf psychische Überbelastung durch die Arbeit zurückführen lassen. Das ist ein Anstieg um mehr als 80 Prozent innerhalb der letzten 15 Jahre!

Gerade mit Blick auf solche Zahlen ist die physische und psychische Gesundheit und Fitness für Selbständige von enormer Bedeutung. Doch es gibt noch einen anderen Grund, warum das Thema Gesundheit für Selbständige eine so zentrale Rolle spielt.

Junger Existenzgründer leidet an Burnout

Ist der Gründer erkrankt, ist dies nicht nur für dessen Gesundheit schlecht, sondern auch für die Stabilität des Jungunternehmens. Bildquelle: Antonio Guillem – 410411326 / Shutterstock.com

Denn natürlich sind viele Jungunternehmen von Ihrem Gründer und Geschäftsführer abhängig. Fällt dieser aus, bleiben Arbeiten liegen, Rechnungen werden nicht gestellt, der Geldfluss liegt brach, es werden keine weiteren Aufträge akquiriert oder kurzum: Die gesamte Geschäftstätigkeit kommt zum Erliegen. Wichtig ist, sich die richtigen und wichtigen Fragen vorab beantworten zu können: Was passiert, wenn ich langfristig erkranke/berufsunfähig werde, wie bin ich abgesichert? Für viele junge Unternehmen kann dies bereits das Aus bedeuten, weswegen Teamgründungen derzeit immer beliebter werden.

Denn klar, sind mehrere Personen in der Verantwortung für das Unternehmen, kann zumindest kurzfristig die Arbeit der Geschäftspartner aufgefangen werden – zumindest im Regelfall. Ob eine Existenzgründung mit anderen für Ihr Vorhaben infrage kommt, müssen Sie natürlich selbst entscheiden.

Tipps zum Umgang mit Ihrer Gesundheit können wir Ihnen zwar nicht unbedingt geben, aber zumindest wollen wir Ihnen bei der Frage helfen, wie Sie Ihre Existenz aufbauen sollten, um möglichst wenig im Stress zu sein und Zeit für die wirklich wichtigen Dinge zu haben. Dabei helfen wir Ihnen gerne. Werden Sie aktiv und nehmen Sie doch noch heute unverbindlich Kontakt zu uns auf.

Ein Unternehmer heißt deshalb „Unternehmer“, weil er etwas unternimmt und nicht weil er etwas unterlässt. Sonst hieße er ja „Unterlasser“.